Eine kurze Geschichte der Evolutionären Spiritualität

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Herbstakademie 2007 19. bis 21. Oktober 2007

Progressive Denker aus drei Jahrhunderten zeigen uns, dass die Evolution schon immer eine grundlegend spirituelle Idee gewesen ist.
von Tom Huston

„Hat überhaupt die Schöpfung eine Endabsicht, und wenn dies ist, warum wird diese nicht unmittelbar erreicht, warum ist das Vollkommne nicht gleich von Anfang? Es gibt darauf keine Antwort als die schon gegebene: weil Gott ein Leben ist, nicht bloß ein Sein.“
F.W.J. Schelling, 1809

CHARLES DARWIN HAT DIE VORSTELLUNG VON EVOLUTION NICHT ERFUNDEN.
Er hat in der Tat selbst bestätigt, dass die Geschichte der Idee, wie unbestimmt auch immer diese war, bis auf Aristoteles zurückgeht. Und entgegen dem von den meisten Wissenschaftlern heute bestätigten allgemeinen Eindruck, handelte es sich auch nicht immer um eine materialistische Vorstellung. In seiner modernen Ausprägung kann man den Begriff der Evolution direkt auf Gottfried Wilhelm Leibniz zurückverfolgen, der den evolutionären Prozess als eine Tat Gottes betrachtete.

Leibniz, der bekannte Philosoph, Wissenschaftler, Jurist, Linguist, Mathematiker und Erfinder sowohl der Differenzialrechnung (unabhängig von Newton), als auch des binären Systems (der Basis der Computertechnologie) war seiner Zeit weit voraus. Sechs Jahre nachdem er in seinem Protogaea darüber spekuliert hatte, dass während des langen Verlaufs der Geschichte der Welt „sogar die Tierarten viele Male verändert worden sind“, schrieb er über „Den grundlegenden Ursprung der Dinge“ im Jahr 1697, dass „die kumulative Zunahme der Schönheit und universellen Vollkommenheit in den Werken Gottes und ein ständiger und ungehinderter Fortschritt des Universums als Ganzem anerkannt werden muss, sodass dieses sich auf einen höheren Entwicklungsstand hin bewegt“. Obwohl die Idee, dass die Schöpfung Gottes sich in einem unaufhörlichen Aufstieg zur Vollkommenheit weiter entwickelt, schon über siebzig Jahre zuvor von dem Mystiker Jakob Böhme intuitiv erkannt worden war, stellte Leibniz sie als Erster in einen wissenschaftlichen Zusammenhang. Und für ihn handelte es sich ganz klar um eine neuartige Vorstellung. „Ich schmeichle mir, dass ich von diesen Wahrheiten eine Vorstellung habe“, schrieb er 1707 an einen Freund, „aber unsere Zeit ist nicht darauf vorbereitet, sie zu hören.“

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In den folgenden Jahrzehnten begann schließlich eine wachsende Anzahl europäischer Geistesgrößen, Leibniz’ evolutionären Gedankengang zu begreifen. Unter diesen aufgeklärten Geistern finden sich Namen wie Diderot, Maupertuis, Buffon und Voltaire, die alle über das Thema Evolution geschrieben haben, aber, wie alle großen Vertreter der Aufklärung, die einen Funken Selbstachtung hatten, fühlten sie sich selten geneigt, irgendeinen Hinweis auf Göttlichkeit in ihre eher wissenschaftlichen Spekulationen einfließen zu lassen. Tatsächlich vertrauten viele von ihnen auf die befreiende Kraft der Rationalität, durch die die altertümlichen Mythen und Dogmen der Kirche entkräftet wurden, und ganz bewusst versuchten sie zwischen Wissenschaft und Spiritualität, Vernunft und Religion eine klare Linie zu ziehen. Auf diese Weise wurde die Trennung noch verschärft, die bei Galileos Konfrontation mit den religiösen Autoritäten zwei Jahrhunderte zuvor ihren Anfang genommen hatte. In diesem Zusammenhang nahm alles Nachsinnen über die Idee der Evolution über weite Teile des 18. Jahrhunderts häufig einen streng naturalistischen oder materialistischen Tonfall an.
Erst um 1799, zehn Jahre nach der Erstürmung der Bastille und dem Beginn der französischen Revolution, in der die Errungenschaften der Aufklärung fest in der Geistesgeschichte der westlichen Welt verankert wurden, formierten sich diese unterschiedlichen Hinweise auf eine Evolution schließlich zu einem geschlossenen neuen Modell der Wirklichkeit. Aus den fruchtbaren Tiefen des deutschen Zeitgeistes erhob sich ein kosmologisches und metaphysisches Paradigma, das Wissenschaft und Spiritualität nahtlos miteinander verband: eine evolutionäre Vision, die sich von den einfachsten Atomen in der fernsten Vergangenheit bis hin zu einer heiligen Zukunft erstreckte, und in der sich die transzendente Einheit des Göttlichen auf vollkommene Weise in der menschlichen Gesellschaft widerspiegelte.

ROMANTIKER UND IDEALISTEN
In der idyllischen Universitätsstadt Jena hätte man wahrscheinlich an jedem beliebigen Herbst- und Winterabend des Jahres 1799 mindestens ein erleuchtetes Haus finden können, in dem die erregten Stimmen einiger bemerkenswerter Männer und Frauen zu hören waren. Im gastfreundlichen Haus des Literaturkritikers Wilhelm Schlegel und dessen geistreicher Ehefrau Karoline traf sich eine besondere Gruppe gleich gesinnter junger Künstler, Intellektueller und selbst ernannter Wissenschaftler, die immer bis spät in die Nacht hinein „symphilosophierte“ und „sympoetisierte“, erfüllt von einem scheinbar endlosen Wirbel radikal unkonventioneller Ideen. Sie nannten sich „Romantiker – Revolutionäre des menschlichen Geistes – entschlossen, die wachsende Tendenz der Aufklärung zu einem immer trockeneren Materialismus mit der notwendigen Portion Leidenschaft und Poesie zu bereichern. Sie waren beunruhigt von der Neigung des Verstandes, die ganze Größe und Schönheit des Lebens in grober Weise auf eine schale wissenschaftliche Abstraktion zu reduzieren und dabei die Natur „atomistisch zu sezieren wie eine Leiche“, wie es einer der frühen Sympathisanten ausdrückte. Deshalb waren sie darum bemüht, die westliche Gesellschaft in eine mehr holistische, spirituelle Richtung zu steuern. Und vielleicht entsprach diesem Traum keiner besser als das jüngste Mitglied dieses inneren Kreises der Romantik in Jena: ein charmantes Wunderkind, der vierundzwanzigjährige idealistische Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling.

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„Er hat mich zu einem Briefwechsel eingeladen“, schrieb der Dichter Novalis an einen Gleichgesinnten über ein Treffen mit Schelling. „Vor Ende des Tages werde ich ihm schreiben. Ich mag ihn sehr ein wirklich universales Streben in ihm – wahre, strahlende Kraft – von einem Punkt aus bis zur Unendlichkeit.“ Ähnliches Lob war von fast allen zu hören, die den philosophisch Hochbegabten trafen, selbst von Goethe. Der traf Schelling 1798 zum ersten Mal, war sofort beeindruckt und nahm den jungen Mann bald unter seine einflussreichen Fittiche. Denn in dem einzigartigen romantischen, aber durch und durch rationalen Geist Schellings – geprägt durch die Werke von Böhme und Leibniz – nahm eine bemerkenswerte Wiedervereinigung von Wissenschaft und Spiritualität erste Formen an.
Indem er die evolutionären Gedanken eines ganzen Jahrhunderts und die idealistische Philosophie des Kant-Schülers J. G. Fichte näher ausführte, präsentierte Schelling eine Alternative zu dem immer weiter vordringenden Materialismus, den die mit ihm befreundeten Romantiker so fürchteten: einen evolutionären Idealismus. Im Gegensatz zum Materialismus behauptete die Philosophie des Idealismus, dass Bewusstsein, nicht Materie, die letzte Grundlage der Wirklichkeit wäre. Schelling erkannte, dass der Idealismus, wenn er erst einmal mit einem wissenschaftlichen Verständnis von Evolution zusammenkäme, eine Kraft darstellen würde, mit der sich alle ernsthaften Denker der Aufklärung würden auseinander setzen müssen.
Schelling stellte sich einen epischen Prozess kosmischer Evolution vor, in dem sich ein nicht manifestes Reich reinen Bewusstseins oder absoluten Geistes selbst aktiv als Welt in Zeit und Raum durch eine Reihe von immer komplexeren und zunehmend bewussten Formen manifestiert – von der Materie zum Leben, zum Geist und darüber hinaus. Er schrieb:
„Es ist der allgemeine Geist der Natur, der allmählich die rohe Materie sich selbst anbildet. Vom Moosgeflecht an, an dem kaum noch die Spur der Organisation sichtbar ist, bis zur veredelten Gestalt, die die Fesseln der Materie abgestreift zu haben scheint, herrscht ein und derselbe Trieb, der nach einem und demselben Ideal von Zweckmäßigkeit zu arbeiten scheint, ins Unendliche fort ein und dasselbe Vorbild, die reine Form unseres Geistes auszudrücken bestrebt ist.“
Mehr als sechzig Jahre bevor Darwin die wissenschaftliche Welt mit seiner Theorie einer biologischen Evolution durch natürliche Auslese und „zufällige Veränderungen“ auf die Knie zwang, behaupteten also schon Friedrich Schelling und einige seiner engsten Freunde (einschließlich seines neuen Mentors Goethe und seines früheren Studienkameraden Hegel), dass die Wirklichkeit als Ganzes sich irgendwohin bewegte. Die Natur – und die Menschheit – hatten ein Ziel und eine Richtung, die an einen rein spirituellen Trieb gebunden waren, und die verblüffenden Implikationen dieser Idee über die grundlegendsten Vorstellungen von Gott und das Leben war diesen Männern nicht entgangen. Im Frühjahr des Jahres 1800, vielleicht nach solch einer typischen Nacht voller kreativer Gespräche zwischen den Mitgliedern des romantischen Kreises, zog Schelling sein neuestes, noch im Entstehen begriffenes Manuskript heraus – System des transzendenten Idealismus – und schrieb eine einfache Zusammenfassung seiner zukünftigen These einer Evolution hinein: „Die Geschichte als Ganzes“, schloss er, „ist eine fortgehende, sich allmählich enthüllende Offenbarung des Absoluten.“
Das war die bis dahin klarste Formulierung einer Vision – einer evolutionären Spiritualität –, und für die nächsten Jahrhunderte sollte sie die Fundamente der Philosophie und des Mystizismus erschüttern.

VON OSTEN NACH WESTEN NACH OMEGA
Mit dieser grundlegenden Synthese der deutschen Idealisten Schelling und Hegel brauchte sich die Menschheit nicht mehr als der Sünde und dem Leid preisgegeben zu betrachten – vor Urzeiten aus der Gegenwart Gottes „herausgefallen“, wie die Kirche es behauptete. Auch brauchte Gott kein bloßes mythisches Überbleibsel aus einem unwissenden Zeitalter mehr zu sein, eine Ansicht, auf die viele Wissenschaftler nach wie vor bestanden. Stattdessen konnte man die Wirklichkeit des Göttlichen nun so verstehen, dass sie vor allem in unserer gemeinsamen Zukunft existierte, um in der Welt durch den Lauf der Geschichte und die Evolution des Bewusstseins mit immer größerer Tiefe und Klarheit offenbart zu werden. „Gott bleibt nicht versteinert und tot“, sagt Hegel, „selbst die Steine rufen und erheben sich zum Geist.“
Diese Empfindung findet fast zwei Jahrhunderte später ein Echo in den Schriften des amerikanischen Philosophen Ken Wilber. Er schreibt: „Menschen und Felsen sind gleichermaßen Geist, aber nur Menschen können diese Tatsache bewusst wahrnehmen, und zwischen dem Felsen und dem Menschen liegt Evolution.“ Und in der Spanne der Zeit zwischen Hegel und Wilber gab es zahlreiche Vertreter einer evolutionären Spiritualität, sowohl im Osten als auch im Westen. Von dem amerikanischen Essayisten und Dozenten Ralph Waldo Emerson bis zu dem indischen Gelehrten und Staatsmann Sarvepalli Radakrishnan, von dem österreichischen Anthroposophen und Visionär Rudolf Steiner bis zu dem englischen Philosophen Alfred North Whitehead: Die immer größere Anzahl von Vertretern einer spirituellen Evolution kam zwar aus vielen verschiedenen Disziplinen, und auch die Basis, von der sie kamen, konnte unterschiedlich sein – die Vision einer Entwicklung, von der sie sich angezogen fühlten, war jedoch im Wesentlichen die gleiche.
Und wenig andere Denker des 20. Jahrhunderts führten diese heraufdämmernde teleologische Perspektive weiter und in größere Tiefe als der indische Weise und Philosoph Sri Aurobindo, der französische Autor und Philosoph Henri Bergson und der französische Paläontologe und Jesuitenpriester Pierre Teilhard de Chardin.
Am Beginn des 20. Jahrhunderts bereicherte Sri Aurobindo mit seinen Schriften dieses Gebiet mit einer neuen Dimension: Er kombinierte nämlich das moderne Verständnis der Evolution mit der traditionellen Offenbarung der mystischen Erleuchtung. Nachdem er sein Studium in Cambridge, bei dem er sich in die Werke des deutschen Idealismus vertiefte, im Jahr 1892 abgeschlossen hatte, wurde er zu einer Führungsgestalt der indischen Unabhängigkeitsbewegung und vom britischen Empire sogar einmal zum „gefährlichsten lebenden Mann“ erklärt. Bald jedoch wandte er sich vom Freiheitskampf ab und widmete sein Leben der Erforschung einer Befreiung völlig anderer Art. Nach der Erfahrung eines tiefen spirituellen Erwachens, das er mithilfe eines indischen Yogis erreicht hatte, öffnete sich Aurobindos Bewusstsein für eine Vision menschlicher Möglichkeiten, in der das Erreichen des Nirvana – im Allgemeinen das Ziel aller mystischen Anstrengungen – lediglich als die Grundlage einer bewussten Verbindung mit dem evolutionären Impuls betrachtet wird. Aurobindo führte seine spirituelle Gemeinschaft in die Praxis des „integralen Yoga“ ein, holte so die evolutionäre Spiritualität aus dem Reich der abstrakten Theorie und verwandelte sie in eine praktische Methode, um das eigene Leben mit der Richtung und dem Ziel des Universums als Ganzem in Einklang zu bringen.
Ungefähr um die gleiche Zeit als, Aurobindo im Osten die Seele junger Inder mit dem Versprechen eines Lebens mit evolutionärer Bedeutung entflammte, waren Bergson und Teilhard im Westen mit dem Versuch beschäftigt, die Grundidee der Evolution vor der immer noch wachsenden Dominanz des „Darwinschen“ Materialismus zu retten. Indem sie die immer zahlreicher werdenden wissenschaftlichen Beweise für eine biologische Evolution ausdrücklich im Kontext einer kosmischen Spiritualität interpretierten, machten sie – ganz wie die Idealisten ein Jahrhundert zuvor – den mutigen Versuch, zwei Bereiche, die sich immer mehr unterschieden (und einander sogar entfremdeten), auf kreative Weise zu verschmelzen.

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Zum Beispiel wurde Bergsons „Schöpferische Evolution“, die 1907 erschien, von philosophischen Realisten wie Bertrand Russell heftig dafür kritisiert, dass darin die Linie zwischen Physik und Metaphysik verwischt sei, was angeblich zu wissenschaftlichen Irrtümern führe. Trotzdem wurde sie wegen ihrer faszinierenden Betrachtung des „Motivationsprinzips“ hinter der Evolution, welches Bergson als Bewusstsein identifizierte, zu einem populären Bestseller. Seine Schriften hatten jedoch einen relativ begrenzten Einfluss auf die intellektuelle Diskussion seiner Zeit und wurden erst in späteren Jahren wirklich gewürdigt, auch durch einen Nobelpreis. Allerdings erschienen sie in einem kritischen Augenblick und konnten dazu beitragen, Kohärenz in eine verwirrende Menge evolutionärer Ideen zu bringen, von denen zu jener Zeit gerade ein anderer französischer Denker besessen war: ein junger Priester mit Namen Teilhard de Chardin.
Wie zuvor die „Schöpferische Evolution“, gründete Teilhards Meisterwerk „Der Mensch im Kosmos“ seine Spekulationen über Evolution auf weithin anerkannte wissenschaftliche Tatsachen, nahm aber eine ungewöhnliche Wendung, indem es konsequent in der theologischen Weisheit verwurzelt blieb, die Teilhards tiefer christlicher Glaube ihm bot. Obwohl sich in der katholischen Kirche nicht viele zu seinen Theorien über die zukünftige kosmische Evolution des Bewusstseins bekehrten (die Kirche verurteilte seine Schriften offiziell und verbot ihm auf Lebenszeit weitere Veröffentlichungen), so hat er doch bei zahlreichen evolutionären Denkern, die nach ihm kamen, in Herz und Geist bleibenden Eindruck hinterlassen. Viele Theoretiker haben insbesondere Teilhards Konzentration auf die Wechselbeziehung zwischen dem Individuellen und dem Kollektiven in der kosmischen Geschichte als wertvoll empfunden. Teilhard hielt es für möglich, dass die Menschen, wie Moleküle und Bakterien vor ihnen, eines Tages in einer höheren Verbindung oder „Megasynthese“ spiritueller Einswerdung und kollektiven Bewusstseins zusammenkommen und sich in einer Art „denkender Hülle“, welche die Erde umgibt, vereinigen könnten. Er nannte das die „Noosphäre“, ein psychisches Feld einer allem gemeinsamen Intelligenz, die schon begonnen hätte, sich langsam um die Erde zu legen, und die die Geosphäre (der empfindungslosen Materie) und die Biosphäre (des Lebens) transzendieren und einschließen würde. Und Teilhard sah die Erfüllung der ganzen Evolution, sowohl der kosmischen, als auch der menschlichen, darin, dass Materie und Bewusstsein am Ende zusammenkommen würden. Das nannte er den „Omegapunkt“ – eine Vorstellung, die in den letzten fünfzig Jahren auch viele Futuristen und Science-Fiction-Autoren inspiriert hat.
Kurz vor seinem Tod im Jahre 1955 sah Teilhard auf sein Leben und Werk zurück. Die folgenden Reflexionen beweisen, dass sein Glaube an die aufsteigende evolutionäre Kraft des Göttlichen trotz der großen ideologischen Feindseligkeiten, denen er begegnete, bis zum Ende nicht erschüttert wurde:
Nachdem alles gesagt und getan ist, kann ich Folgendes sehen: Ich habe es geschafft, mich bis zu einem Punkt vorzuarbeiten, an dem das Universum mir wie ein großartiger dynamischer Impuls erschien, und all die ernsthaften Forschungen, der kreative Wille, die Akzeptanz des Leidens verbinden sich in der Zukunft in einem einzigen, leuchtenden Punkt – jetzt, am Ende meines Lebens, kann ich auf dem Gipfel stehen, den ich erstiegen habe, und weiterhin und immer genauer in die Zukunft schauen: Und dort sehe ich mit einer immer größer werdenden Sicherheit den Aufstieg Gottes.

Die Idee, dass der Prozess der Evolution letztlich von einem spirituellen Impuls angetrieben wird, gewinnt am Anfang des 21. Jahrhunderts immer mehr an Boden. Eine wachsende Zahl progressiver Philosophen, Naturwissenschaftler und Mystiker erforscht die Implikationen, die darin liegen. Für Viele handelt es sich einfach um eine faszinierende Philosophie, die die Entdeckungen der Naturwissenschaft und die Offenbarungen der Spiritualität auf eine Art und Weise miteinander verbindet, wie keine andere Theorie das kann. Aber Andere, wie schon Aurobindo vor ihnen, fangen langsam an, über die theoretische Diskussion hinaus zu gehen, und fragen sich: Wie könnte das Leben und die Zivilisation des Menschen aussehen, wenn wir uns die Realität dieser Sichtweise wirklich zu Herzen nähmen? Nachdem wir vom mythischen Dogmatismus prämoderner Religionen befreit sind, die materialistischen Vorurteile des modernen wissenschaftlichen Denkens gerade überwinden und uns von der narzisstischen Selbstverliebtheit der Postmoderne unabhängig gemacht haben: Was für eine neue Welt könnten die Menschen, die sich mit einem sich spirituell entwickelnden Kosmos im Einklang befinden, nun eigentlich erschaffen?
Bekanntermaßen wissen wir nicht, was die Zukunft bringt. Aber wie versicherte uns doch Hegel vor langer Zeit: „Tatsächlich könnten wir das Ganze in dem einzigen Prinzip von Entwicklung umfassen; wenn dieses klar wäre, würde alles Andere von selbst daraus folgen.“

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Weitere information zur Herbstakademie 2007
Sein und Werden Impulse für eine zeitgemäße Spiritualität 19. bis 21. Oktober 2007

Zeitachse der evolutionären Spiritualität als PDF

Wir bedanken uns für diesen Artikel bei Mike Kauschke von
What is Enlightenment? Dem Magazin für Evolution & Spirituelle Transformation

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