Das göttliche Kind

Ausblick

von Siegfried Fastus

Den ersten Satz zu beginnen, hieße forschen, was in meiner Seele spricht. Zuhören. Ich spreche von der elementaren Übung, dem Wollen zu entsagen, um in den Willen zu kommen. Eine Domäne aus Geist und Natur, die jenseits menschlicher Existenz waltet und doch erst im Menschen Wirklichkeit wird, wirkt. Der Geist durchdringt die Natur, die so zu sich kommt, wie ein Blinder, der doch sehen kann. Wie hätte sonst Christus Wunder wirken, heilen können?

Sich von der blinden, unbewussten Natur zu befreien, bedeutet, den inwendigen Christus zu finden, seinen Ruf zu hören. Das Göttliche lebt in mir. Es macht mich zum Menschen, wenn ich es auch leugnete. Als ich ein Kind war, wohnte ich bei Gott, was meine Eltern in dumpfer Einfalt ahnten, was sie zutiefst ängstigte. Kleine Kinder können ihre göttliche Herkunft mächtig strahlen lassen, ohne dies wirklich zu wollen. Sie sind ein Faszinosum, das die Eltern verstören kann, die aus der Einheit der Seele gefallen sind, ihre Religion verloren haben.

Ein kleines Kind in seiner ganzen Wirklichkeit zu erleben, bedeutet, an einem ewigen Gottesdienst teilzunehmen.

Für C.G.Jung ist das göttliche Kind der zentrale Archetyp des Selbst, das höchste Symbol des inwendigen Christus. Auf diesem Altar errichtet er seine Psychologie. Ein Heilsversprechen, was ihm die so genannte Wissenschaft der Psychologie übel nahm, da es deren gottverlorene, im Materiellen befangene Armseligkeit bloßlegte. Wer heute als Therapeut mit den Seelenqualen der Menschen zu tun hat und nicht an Christus glaubt, ist ein Mörder der menschlichen Seele, deren elementare Beschaffenheit er leugnet. Ein weiterer Sigmund Freud, der das Seelenleben mit einer monströsen Verdrängungsmaschinerie erklärt und gleichsetzt. Alles Leute, die die Störungen der Seele mit den Schwankungen eines verängstigten Ich verwechseln.

In der Seele eines Menschen lebt seine göttliche Heimat, aus der er sich durch Welt vertrieben fühlt. Den ersten Satz zu beginnen, heißt forschen, was in meiner Seele spricht. Zuhören. Ich spreche von der elementaren Übung, dem Wollen zu entsagen, um in den Willen zu kommen. Einzukehren in die Heimat, die mir täglich zu entschwinden droht. Dein Wille geschehe, denn mein Wollen bin ich nicht selbst, sondern stets ein anderer Widersacher.

In der Wüste meiner Tage bin ich selbst das Wasser, das mir mangelt.

In the DesertMein Körper ist die Welt, an der ich mich ständig stoße, und meine Seele ist mit meinem Körper inniglich verwoben, dass ich meinen Leib spüre. Doch im Grunde meines Herzens bin ich ein Geistwesen, das sich ständig neue Leiber schafft. Nur so kann ich Schmerzen empfinden, die mir meine leiblichen Seelensinne vermitteln. Den großen, blassgelben Aschenbecher, der zu meiner Linken vor dem Drucker auf meinem Schreibtisch steht, macht gerade als festes Objekt der äußeren Welt einen schmerzhaften Eindruck auf mich. Dies ist nur möglich, da ich ihn mittels meiner erkenntnisbegabten Seele als solchen (wieder)erkannt habe, was ihn, für mich schmerzlich, existent macht.

Ich bin ein Schwerverletzter mit übersinnlichen Wahrnehmungen, und jede neue Bewegung schmerzt mich ins Leben, wie eine von unzähligen Klingen bestückte Innentür, die immerzu auf- und zugeht und dabei meine Ätherhaut zu Tausenden von Seelenmustern perforiert. Alle Schmerzpatienten leiden daran, dass die normale Unbewusstheit ihrer vegetativen Funktionen teilweise aufgehoben ist, ohne dass dies wirklich ins Bewusstsein gelangte. Die Schmerzen, die sie empfinden, entstehen exakt in der Befangenheit dieses Konflikts, der mangels geistiger Durchdringung erst zu einem werden konnte. Er verharrt unterm Schleier des Bewusstseins im Zustand metaphysischer Halbgebildetheit.

Chronische Schmerzen machen einen Menschen verrückt. Es sind Lemuren eines heimatlosen Lebens, die nicht sterben können. Sie zeugen unerlöste Geister, voller Wut und Verzweiflung, die gnadenlos zuschlagen. Sie sind fürchterlich, ein Purgatorium, das zu der Empfindung des Seelenverlusts führt, obwohl die Seele objektiv vorhanden bleibt. Nur die begeisterte Seele tilgt den Schmerz und weist ihm seinen Platz in einer schier endlosen Landschaft erkannter Gestirne.

Ich bin kein Schmerzpatient.

Und doch bin ich einer, und ein hochrangiger dazu. Und meine Schmerzen beginnen da, wo ich mich von Christus getrennt fühle, getrennt von meinem inwendigen geistigen Ich. Die kindliche Seele muss den Paradiesverlust durchleiden, verbunden mit einem unmenschlichen Trennungsschmerz, der sich ins Leben frisst und nie gestillt werden kann, bis der Tod ihn scheidet. Die Erinnerung daran rührt an die Geheimnisse des Schicksals, die in jeder Kinderseele schlummern. Der Paradiesverlust des Kindes ist der bleibende Schmerz der erwachsenen Seele, die sich ihren Heimatschoß unter Engeln träumend ersehnt. Wenn ich dem lebendigen Christus in mir begegne, wenn er sich mir zeigt, leuchtet das zweite Jerusalem, in das ich einziehen werde, jenseits von Schmerz und Leid in unsagbarer Pracht. Dort habe ich einen neuen Leib, meines irdischen Körpers entledigt, aufgehoben in gleich gültiger Stille.

Literatur und Musik im besonderen sind substantiell gefühlter Schmerz, reflektiert in den Seelenkammern eines gleich gültigen Denkens, das exklusiv der Liebe dient.

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