Abwrackprämie

von Siegfried Fastus
Wenn Frauen Politik machen, muss das nicht immer gut gehen. Aber es hat Auswirkungen. Davon zeugt folgendes Beispiel:
Völlig unabhängig davon, was ein einigermaßen wacher Zeitgenosse bei der kruden Wortschöpfung „Abwrackprämie“ assoziieren mag, bleibt mir bei diesem Sprachungetüm, diesem perfiden Machwerk erst einmal die Luft weg. Stellen Sie sich vor, Ihre Ehefrau oder Ihr Freund schauen Ihnen vertrauensvoll in die Augen. Und dann bemerken Sie, wie Ihnen nachgerade abrupt, getragen von einer sehr nüchternen, entschiedenen Stimme das Wort “Abwrackprämie“ aus diesen scheinbar so vertrauten Gesichtern entgegen schlägt.
Danach können sie es als Mann, der sich von nichts erschüttern lässt, auch selber üben, indem Sie ganz für sich in Ihrem Arbeitszimmer sitzen, wo Sie sich ein wenig sammeln oder entspannen wollen. Jetzt blicken Sie auf den offenen Monitor und betrachten das Wort „Abwrackprämie“, das Sie fast wie ein wenig schwachsinnig als eine erste Überschrift Ihrer nachfolgenden Gedanken in die Tastatur geklopft haben. Sie können gar nicht anders: Das Wort „Abwrackprämie“ presst sich umgehend in Ihre Sprachwerkzeuge, während Zunge, Gaumen und Stimmbänder sich rasch eng zusammenziehen, wie nach einer hoch aggressiven Säureattacke. Dieser bereits physisch recht unangenehme Vorgang wird dabei noch von der dringlichen Seelenregung des ‚Schleunigst Herausschleudern Wollens’ akut verstärkt, und der gesamte Vorgang mündet darin, dass Sie etwas zutiefst Verachtungswürdiges, etwas furchtbar Hässliches hörbar von sich geben, wie einen Ekel erregend verfaulten Darmwind nach einer peinigenden Kolik. Sie haben tatsächlich das Wort ‚Abwrackprämie“ hingeschrieben, ja sogar laut und vernehmlich vor sich hin gesagt, gerade eben. Plötzlich haben Sie das Gefühl, dass es Ihnen irgendwie ganz magenschwach zumute ist. „Abkackprämie“ hallt es schließlich noch in Ihrem strapazierten Gedankenträger nach. Ziemlich verdutzt stellen Sie am Ende auch noch fest, dass Ihr Rechtschreibprogramm nur „Abfuckprämie“ zulassen möchte. (Mehr…)














