Selbst-Bewusstsein

Wie auch immer ich mich dem Begriff ‚Selbst-Bewusstsein’ nähere, ich werde zunächst wohl geneigt sein, mich in die Domäne der modernen Tiefenpsychologie zu begeben. Und dies nicht zuletzt auf Grund meiner Bildungsprägung: ich bin Psychoanalytiker Jungscher Prägung. Legt man die Annahmen der Tiefenpsychologie zugrunde, ist Selbstbewusstsein eine Verhaltensqualität, eine psychische Energieleistung, die das ‚Ich’ einer individuellen Persönlichkeit hervorbringt. Allein mit diesem einen Satz habe ich mich bereits verstrickt. Will sagen, falls ich diesem Pfad einigermaßen korrekt folgen sollte, würde ich mich notwendigerweise in einer mehrseitigen Abhandlung über die so genannten ‚Essentials’ der menschlichen Psyche wieder finden, was ich gar nicht vorhabe.
Ich spreche hier ein grundlegendes Dilemma an, mit dem heute jeder geisteswissenschaftlich Denkende konfrontiert ist. Nämlich, dass jeder, der den Mut aufbringt, über Aufbau und Zusammenhalt unserer Welt universell zu forschen, zunächst einmal den Nachweis des bereits Bekannten, den aktuellen Forschungsstand zu liefern hat, ehe er sich erlauben kann, zu neuen Ufern aufzubrechen. Und genau dies wird auch geschehen, falls er es wirklich wagt: er wird aufbrechen. Etwas in ihm bricht dann zwangsläufig auf, und er hat dabei das merkwürdige Gefühl, dass er dabei genau den eigentlichen Kern von sich selbst berührt, jenseits aller abgesicherten akademischen Pfade.
















