
Es gibt Weisheiten, die Jahrhunderte überdauern, weil sie etwas Zeitloses berühren. Die sechs Ratschläge des tibetischen Meisters Tilopa aus dem 10. Jahrhundert gehören dazu – und sie sind erstaunlich aktuell.
Im Kern geht es um eine einzige Bewegung: Loslassen.
Tilopa beginnt mit der Vergangenheit. Was gewesen ist, lebt nur noch als Gedanke weiter – und wer daran festhält, zahlt einen echten Preis: die Gegenwart. Ähnliches gilt für die Zukunft. Sorgen sind Geschichten, die wir uns selbst erzählen. Sie verbrauchen Energie für einen Moment, der vielleicht nie eintrifft.
Doch Tilopa geht noch einen Schritt weiter: Selbst das Festhalten am gegenwärtigen Augenblick kann uns vom echten Erleben trennen. Sobald wir einen Moment greifen wollen, machen wir ihn zum Objekt. Wahres Erleben entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch offenes Sein.
Die letzten drei Ratschläge richten sich nach innen. Nicht alles muss verstanden werden – manche Tiefen öffnen sich erst, wenn wir aufhören zu analysieren. Nicht alles muss erzwungen werden – Handeln aus innerer Stille ist kraftvoller als Handeln aus Anspannung. Und schließlich: Entspanne dich, jetzt gleich, und ruhe. Kein Aufruf zur Passivität, sondern eine Einladung zur tiefsten Form von Präsenz.
Was Tilopa beschreibt, klingt einfach – und ist es doch nicht. Denn der Verstand widersteht. Er will festhalten, planen, verstehen, gestalten. Das ist seine Natur.
Aber vielleicht liegt genau darin die Übung: nicht den Verstand zu bekämpfen, sondern einen Moment innezuhalten. Nichts fordern. Nichts festhalten. Einfach da sein.
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Du bist nicht verantwortlich für das Bild, das sich jemand anderes von dir macht
Eine ganzheitliche Anleitung zur persönlichen Ausrichtung – unabhängig von fremden Meinungen
Wie viel Energie hast du in deinem Leben schon damit verbracht, dich zu erklären? Dich zu rechtfertigen? Dich anzupassen, nur damit jemand anderes ein bestimmtes Bild von dir hat – oder behält? Wenn wir ehrlich sind: sehr viel.
Wir leben in einer Zeit, in der Meinungen sekundenschnell geteilt werden. Ein Satz, eine Entscheidung, ein schlechter Tag – und schon hat jemand eine Vorstellung von dir, die wenig mit dem zu tun hat, wer du wirklich bist. Doch die entscheidende Frage ist nicht: Was denken andere über mich? Die entscheidende Frage ist: Wer bin ich – unabhängig davon?
Dr. Bernardo Kastrup ist ein zeitgenössischer Philosoph, Informatiker und führender Vertreter des analytischen Idealismus – einer Weltanschauung, die das Bewusstsein nicht als Produkt des Gehirns, sondern als fundamentale Grundlage der Realität versteht. Seine Arbeit stellt eine tiefgreifende Herausforderung an den Materialismus dar, der das moderne Weltbild bis heute prägt.
Die Essenz von Kastrups Denken
Zentral für Kastrups Philosophie ist die Idee, dass das Universum letztlich in einem einzigen, universellen Bewusstsein existiert – und dass wir als individuelle Wesen lokalisierte „Verwirbelungen“ dieses Bewusstseins sind. Diese „Verwirbelungen“ schaffen die Illusion getrennter Individuen, während in Wahrheit alle Erscheinungen in einem transpersonalen Bewusstseinsfeld wurzeln.
Er bringt dieses Modell auf eine klare Formel:
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Materie ist nicht die Ursache von Bewusstsein.
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Stattdessen ist Materie eine Erscheinungsform des Bewusstseins, ähnlich wie ein Traum im Geist des Träumenden.
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Unsere persönliche Erfahrung ist ein abgegrenzter Teilbereich eines umfassenderen mentalen Kontinuums.
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Auswirkungen auf unsere Selbstwahrnehmung

In einer Welt, in der Frauen kaum gehört wurden, ging Theresa von Ávila (1515–1582) ihren ganz eigenen Weg – mutig, radikal und zutiefst spirituell. Sie war nicht nur Nonne, sondern Visionärin, Reformerin und spirituelle Lehrerin, die bis heute Menschen auf der Suche nach innerer Tiefe inspiriert.
Theresa glaubte an eine direkte, persönliche Verbindung zu Gott – frei von Äußerlichkeiten, voller Herz, Stille und Bewusstheit. Ihre innere Reise beschreibt sie in der Seelenburg als einen Weg nach innen: durch verschiedene Räume der Seele, vorbei an Ablenkung, Zweifel und Angst – hin zu einem inneren Zentrum, in dem nur Liebe und Klarheit herrschen.
Was sie lehrte, war nicht frommer Rückzug, sondern echtes inneres Wachstum. Für Theresa war Gebet kein Pflichtprogramm, sondern ein inneres Gespräch mit dem Göttlichen – lebendig, ehrlich, manchmal unbequem, aber immer transformierend.
Trotz vieler Widerstände, auch aus kirchlichen Kreisen, folgte sie ihrer inneren Stimme. Sie gründete Klöster, reformierte den Karmeliterorden und lebte, was sie glaubte: dass echte Spiritualität Mut braucht, Selbstkenntnis, und ein offenes Herz.
Heute, in einer Zeit, in der viele Menschen sich nach Tiefe, Stille und Sinn sehnen, ist Theresa aktueller denn je. Sie zeigt uns: Wahre spirituelle Entwicklung beginnt in uns selbst – still, radikal und voller Liebe.
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Von Martin Frischknecht
Einen Star hat SPUREN erwartet und ist einer aufrichtigen, tief berührenden Persönlichkeit begegnet: Snatam Kaur, eine Frau, die lebt, was sie singt.
Sie ist ein Star. Wenn sie singt, lauschen ihr Hunderte, ja Tausende. Ihr letztes Konzert in der Schweiz dauerte über drei Stunden, die Leute haben mit ihr gesungen, haben eifrig mit ihr geübt, als sie von der Bühne aus Kundalini-Yoga anleitete, und das begeisterte Publikum wollte sie fast nicht ziehen lassen. Ihre CDs erreichen Spitzenplätze auf den Bestenlisten; wer zum ersten Mal ihre Stimme hört, ist verzaubert, obwohl kaum jemand den Inhalt der exotischen Anrufungen versteht, die sie aus einer wenig bekannten Tradition Indiens intoniert.
Als Snatam Kaur am Morgen vor dem Konzert den Raum betritt, in dem wir zum Interview verabredet sind, wirkt sie zunächst einmal unscheinbar. Eine kleine, grazile Frau, die sich zurückhält und leise Platz nimmt, ohne Raum für sich zu beanspruchen. Zur Beantwortung der Fragen nimmt sie sich Zeit. Nicht weil die 44-jährige Amerikanerin damit beschäftigt wäre, die zu ihrem Image passenden Aussagen zu finden, sondern weil sie nach innen hört, um die richtige Antwort zu finden. Die des Herzens. Aus Kommunikation wird Kommunion. Das ist tief berührend.


